ERP und Onlineshop verbinden: Wege, Reihenfolge, Stolperfallen.
Eine Shopanbindung ans ERP steht auf zwei Entscheidungen: Welches System führt welche Daten, und über welchen Weg fließen sie. Bewährt hat sich, dass das ERP Artikel, Preise und Bestände führt, während der Shop Bestellungen anliefert. Für den Weg gibt es drei Optionen: Standard-Konnektor, Middleware oder Eigenbau.
Die Technik ist selten das Problem, unklare Zuständigkeiten der Daten sind es. Hier steht die Reihenfolge, in der Sie entscheiden sollten.
Zuerst klären: welches System führt.
01
Das ERP führt die Stammdaten
Artikel, Preise, Bestände und Kundendaten werden im ERP gepflegt und in den Shop übertragen. Das ist der Normalfall, weil das ERP auch Einkauf, Lager und Buchhaltung versorgt.
Passt, wenn der Shop ein Verkaufskanal unter mehreren ist.
02
Der Shop liefert die Bewegungsdaten
Bestellungen, Zahlungen und Kundenkonten entstehen im Shop und fließen ins ERP, wo Versand, Rechnung und Buchhaltung weiterlaufen. Rückmeldungen wie Tracking gehen zurück an den Shop.
Passt praktisch immer, die Gegenrichtung wäre die Ausnahme.
03
Pro Datenart entscheiden
Führend ist keine Bauchentscheidung fürs Ganze, sondern eine Festlegung je Datenart: Artikeltexte können im Shop gepflegt werden, Bestände nie. Halten Sie die Zuordnung schriftlich fest.
04
Konflikte vorab regeln
Was passiert, wenn beide Seiten denselben Datensatz ändern oder eine Übertragung fehlschlägt. Wer das erst im Betrieb klärt, klärt es anhand verlorener Bestellungen.
Die Shopanbindung gehört in die Ausschreibung, nicht in die Fußnote.
Nennen Sie Shopsystem, Bestellvolumen und gewünschte Datenflüsse direkt in Ihrer Ausschreibung. Auf unserer Plattform erstellen Sie sie kostenlos mit KI-Assistenz, und es bewerben sich Anbieter, die Ihre Kombination aus ERP und Shop nachweislich schon gebaut haben.
Jetzt kostenlos ausschreibenDiese Daten müssen fließen.
01
Artikeldaten
Texte, Bilder, Varianten, Kategorien: vom ERP oder PIM in den Shop. Klären Sie, wo Shop-spezifische Inhalte wie SEO-Texte gepflegt werden.
02
Bestände
Der kritischste Datenfluss. Je näher an Echtzeit, desto weniger Überverkäufe. Klären Sie auch reservierte Mengen und mehrere Läger.
03
Preise
Listenpreise, Aktionen, Staffeln, Kundengruppen. Im B2B die häufigste Fehlerquelle, weil Shop und ERP Preise unterschiedlich rechnen.
04
Bestellungen
Vom Shop ins ERP, inklusive Zahlart, Versandwunsch und Gutscheinen. Sonderfälle wie Teillieferungen früh durchspielen.
05
Status und Tracking
Versandstatus und Sendungsnummern zurück an den Shop, damit Kunden nicht im Service anrufen. Ein kleiner Datenfluss mit großem Effekt.
06
Retouren und Gutschriften
Rücksendungen müssen Bestand und Buchhaltung korrekt erreichen. Wird gern vergessen und dann monatelang von Hand gebucht.
Konnektor, Middleware oder Eigenbau.
Alle drei Wege funktionieren, aber für unterschiedliche Situationen. Erfahrungswerte aus Projekten:
| Weg | Passt, wenn | Was Sie einplanen sollten |
|---|---|---|
| Standard-Konnektor | Verbreitete Kombination aus ERP und Shop, Prozesse nah am Standard | Geringste Kosten und schnellster Start, dafür begrenzte Sonderlocken. Laufende Gebühr üblich. |
| Middleware | Mehrere Kanäle wie Shop, Marktplätze und Kasse, oder absehbar wechselnde Systeme | Flexibel und gut erweiterbar, aber ein zusätzliches System mit eigenen Kosten und eigener Betreuung. |
| Eigenbau | Sehr spezielle Prozesse, eigene Entwickler im Haus, dauerhafte Pflegekapazität | Maximale Freiheit, aber Sie tragen Wartung, Doku und jedes API-Update selbst. Selten die günstigste Option. |
Faustregel: erst den Standard-Konnektor prüfen, dann Middleware, Eigenbau nur mit gutem Grund und eigenem Team.
Typische Stolperfallen.
Die meisten Anbindungsprojekte stolpern nicht über die Schnittstelle selbst, sondern über diese Punkte drumherum.
- 1Bestände nur stündlich statt zeitnah synchronisiert: Bei Aktionen und knappen Artikeln entstehen so Überverkäufe und Stornos.
- 2Artikelnummern passen nicht zusammen: Varianten, Sets und Einheiten sind in Shop und ERP unterschiedlich modelliert. Vor dem Projekt abgleichen.
- 3Steuern und Zahlarten falsch zugeordnet: Gutscheine, Rabatte und ausländische Steuersätze landen falsch in der Buchhaltung.
- 4Sonderfälle nicht getestet: Teillieferung, Storno nach Zahlung, Retoure mit Gutschein. Genau diese Fälle treffen den Echtbetrieb zuerst.
- 5Niemand überwacht die Schnittstelle: Fehlerhafte Übertragungen fallen erst auf, wenn Kunden anrufen. Ein Monitoring mit Benachrichtigung gehört zum Projektumfang.
Häufige Fragen zur Shopanbindung.
Was kostet die Anbindung von ERP und Onlineshop?
Mit einem Standard-Konnektor liegen Einrichtung und Konfiguration erfahrungsgemäß häufig zwischen 3.000 und 15.000 €, plus laufende Gebühren. Middleware-Projekte und individuelle Anbindungen liegen darüber, je nach Umfang auch deutlich. Entscheidend sind die Zahl der Sonderfälle und die Datenqualität.
Sollte der Shop oder das ERP zuerst da sein?
In der Praxis existiert meist der Shop zuerst, und das ERP kommt dazu, wenn die Handarbeit zu viel wird. Wichtig ist dann, die Datenführung neu zu ordnen: Das ERP übernimmt Artikel, Preise und Bestände, der Shop bleibt Verkaufskanal. Wer beides neu einführt, sollte das ERP zuerst stabil bekommen.
Wie aktuell müssen Bestände im Shop sein?
So aktuell, wie Ihr Sortiment es verlangt: Bei knapper Ware und Aktionen zählen Minuten, bei breitem Lagerbestand reicht oft ein kürzerer Rhythmus im Viertelstundenbereich. Fragen Sie Anbieter konkret, wie schnell Bestandsänderungen im Shop ankommen und was bei Ausfällen der Schnittstelle passiert.
Können mehrere Shops und Marktplätze an ein ERP?
Ja, das ist ein Standardszenario. Ab mehreren Kanälen lohnt der Blick auf Middleware, die Bestellungen bündelt und Bestände zentral verteilt. Wichtig ist eine kanalübergreifende Bestandslogik, damit derselbe Artikel nicht doppelt verkauft wird.
Was sollte ich in Angeboten zur Schnittstelle konkret prüfen?
Ob Ihre Kombination aus ERP und Shopsystem bereits produktiv läuft, welche Datenflüsse im Standard enthalten sind und was Sonderfälle wie Teillieferungen kosten. Lassen Sie sich Referenzen mit ähnlichem Setup nennen. Eine kostenlose Ausschreibung mit klar benannten Datenflüssen bringt Ihnen genau solche vergleichbaren Antworten.
Stand: August 2026. Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Erst Datenführung klären, dann Anbieter vergleichen.
Schreiben Sie Ihr Projekt kostenlos aus und benennen Sie Shopsystem, Kanäle und Datenflüsse. Dann bewerben sich Anbieter, die Ihre Anbindung schon gebaut haben, statt sie an Ihnen zu üben.