ERP-Trends 2026 und 2027: was bleibt, was Etikett ist.
Die ERP-Trends 2026 und 2027 lassen sich auf fünf Linien verdichten: Cloud ist der neue Normalfall, KI-Funktionen wandern in den Arbeitsalltag, die E-Rechnungspflicht zwingt viele Unternehmen zur Modernisierung, Hersteller bauen ihre Systeme zu Plattformen mit App-Ökosystemen aus, und Composable-Ansätze versprechen Baukästen statt Monolithen. Für Ihre Auswahl relevant sind vor allem die ersten drei.
Trends sind kein Kaufgrund, aber sie verändern, was Sie von Anbietern verlangen sollten. Hier die nüchterne Einordnung ohne Prospektsprache.
Fünf Entwicklungen, die Ihre Auswahl beeinflussen.
01
Cloud als Standard
Neue Projekte starten überwiegend in der Cloud, Hersteller entwickeln primär dafür. On-Premise bleibt möglich, wird aber zur begründungspflichtigen Ausnahme mit dünner werdender Roadmap.
02
KI im Alltag
Belegerkennung, Prognosen und Assistenten sind in vielen Systemen angekommen und nehmen messbar Arbeit ab. Der Unterschied zwischen Anbietern liegt in der Reife, nicht im Etikett.
03
E-Rechnung als Treiber
Die Pflicht zur elektronischen Rechnung im B2B zwingt Unternehmen mit Altsystemen zum Handeln. Für viele ist sie der konkrete Anlass, das ERP-Thema jetzt anzugehen.
04
Plattform-Ökosysteme
Hersteller öffnen ihre Systeme für App-Marktplätze und Erweiterungen von Drittanbietern. Gut für Auswahl und Erweiterbarkeit, aber jede App ist ein eigener Vertrag mit eigenen Kosten.
05
Composable statt Monolith
Statt einem System für alles: ein Kern plus spezialisierte Bausteine über Schnittstellen. Mehr Flexibilität, aber auch mehr Integrationsverantwortung, die jemand tragen muss.
06
Was kein Trend ist
Saubere Stammdaten, klare Prozesse und ein guter Einführungspartner. Das war 2016 entscheidend und ist es 2026 noch, nur redet auf Messen niemand darüber.
Trends prüfen Sie am besten im Wettbewerb, nicht im Prospekt.
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Jetzt kostenlos ausschreibenE-Rechnungspflicht: die Fristen als Projekttreiber.
2025
Empfangen können
Seit Anfang 2025 müssen Unternehmen in Deutschland E-Rechnungen im B2B empfangen und verarbeiten können. Ein Postfach reicht dafür nicht dauerhaft.
2027
Ausstellen für Größere
Ab 2027 müssen Unternehmen oberhalb der Umsatzgrenze von 800.000 € im Vorjahr ihre B2B-Rechnungen elektronisch in den vorgeschriebenen Formaten ausstellen.
2028
Ausstellen für alle
Ab 2028 gilt die Ausstellungspflicht im B2B grundsätzlich für alle Unternehmen. Übergangslösungen wie das reine PDF laufen aus.
Folge für Ihr Projekt
Wer heute ein ERP auswählt, sollte E-Rechnung in Empfang, Prüfung, Ausstellung und Archivierung im Standard verlangen, nicht als Zusatzmodul mit Aufpreis.
Details klären Sie mit dem Steuerberater, das ERP liefert die Technik.
Die Trends nüchtern eingeordnet.
Nicht jeder Trend verlangt eine Reaktion. Diese Einordnung hilft, Prioritäten zu setzen.
| Trend | Reifegrad heute | Was Sie jetzt tun sollten |
|---|---|---|
| Cloud | Etabliert, im Neugeschäft der Normalfall | Cloud als Ausgangspunkt prüfen, On-Premise nur mit konkretem Grund wie Vorgaben oder Sonderprozessen |
| KI-Funktionen | Reif bei Belegerkennung und Zuordnung, wachsend bei Prognosen und Assistenten | Konkrete Anwendungsfälle mit eigenen Daten zeigen lassen, laufende Kosten ab Jahr zwei abfragen |
| E-Rechnungspflicht | Verbindlich, mit festen Fristen bis 2028 | Im Standardumfang verlangen und den eigenen Zeitplan an den Fristen ausrichten |
| Plattform-Ökosysteme | Bei großen Herstellern weit, bei kleineren im Aufbau | Marktplatz-Apps für Ihre Lücken prüfen, aber Gesamtkosten und Datenschutz je App bewerten |
| Composable | Konzeptionell überzeugend, im Mittelstand erst in Teilen angekommen | Offene Schnittstellen verlangen, aber den Integrationsaufwand ehrlich rechnen, bevor Sie den Baukasten wählen |
Reifegrade sind Erfahrungswerte aus Projekten, keine Herstellerangaben. Entscheidend ist immer, was im konkreten System Ihrer Wahl heute funktioniert.
Was das für Ihre ERP-Auswahl bedeutet.
Aus den Trends folgen fünf konkrete Anforderungen, die Sie in jede Ausschreibung aufnehmen können.
- 1E-Rechnung vollständig im Standard: empfangen, prüfen, ausstellen, archivieren, ohne Aufpreismodul.
- 2KI-Funktionen mit konkretem Nachweis: Anwendungsfall, Referenzkunde, Kosten ab dem zweiten Jahr.
- 3Zukunftssicherheit der Produktlinie: Investiert der Hersteller in genau die Version, die Sie kaufen, oder in deren Nachfolger.
- 4Offene, dokumentierte Schnittstellen als Pflicht, damit Shop, Marktplatz-Apps und Spezialtools andocken können.
- 5Datenexport in offenen Formaten, damit Sie auch in fünf Jahren die Wahl haben, nicht nur der Anbieter.
Häufige Fragen zu ERP-Trends.
Sollte ich mit dem ERP-Wechsel warten, bis die Trends ausgereift sind?
Nein, denn ein perfekter Zeitpunkt kommt nicht, und die E-Rechnungsfristen laufen unabhängig von Ihrer Entscheidung. Wählen Sie ein System, das heute Ihre Prozesse trägt und dessen Hersteller erkennbar weiterentwickelt. Zukunftsfähigkeit ist ein Auswahlkriterium, kein Wartegrund.
Ist On-Premise 2026 noch vertretbar?
Ja, in begründeten Fällen: strenge Vorgaben zur Datenhaltung, Sonderprozesse oder vorhandene IT-Infrastruktur mit eigenem Team. Rechnen Sie aber ehrlich: Betrieb, Sicherheit und Updates liegen dann bei Ihnen, und die Produktentwicklung vieler Hersteller konzentriert sich auf die Cloud-Linien.
Was bedeutet die E-Rechnungspflicht konkret für mein ERP?
Ihr System muss E-Rechnungen in den vorgeschriebenen Formaten empfangen, verarbeiten, ausstellen und revisionssicher archivieren können. Seit 2025 gilt die Empfangspflicht im B2B, die Ausstellungspflicht folgt gestaffelt 2027 und 2028. Altsysteme ohne diese Fähigkeit erzwingen ein Update oder den Wechsel.
Was ist Composable ERP, und brauche ich das?
Die Idee, statt eines Komplettsystems einen Kern plus spezialisierte Bausteine über Schnittstellen zu kombinieren. Für die meisten Mittelständler ist ein gutes Standard-ERP mit offenen Schnittstellen der pragmatischere Weg, Composable lohnt eher bei sehr speziellen Prozessen und eigener IT-Kompetenz. Wichtig ist die Offenheit, nicht das Schlagwort.
Wie erkenne ich, ob ein Anbieter Trends nur als Etikett nutzt?
An der Konkretheit: Wer KI oder Plattform sagt, muss Anwendungsfall, Referenz und Preis nennen können. Lassen Sie sich Funktionen mit Ihren Daten zeigen und fragen Sie, was davon im Standard enthalten ist. Im direkten Vergleich mehrerer Anbieter fällt Etikett-Marketing schnell auf.
Wie fließen Trends sinnvoll in meine Ausschreibung ein?
Als konkrete Anforderungen statt als Schlagworte: E-Rechnung im Standard, nachgewiesene KI-Anwendungsfälle, offene Schnittstellen, Datenexport. Auf unserer Plattform schreiben Sie Ihr Projekt kostenlos aus, die KI-Assistenz hilft bei der Struktur, und alle Anbieter müssen zu denselben Punkten liefern.
Stand: August 2026. Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Trends einordnen, Anforderungen daraus machen.
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