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ERP-Wissen

ERP testen vor dem Go-live: so wird die Testphase belastbar.

Eine belastbare ERP-Testphase kombiniert drei Ebenen: Funktionstests einzelner Abläufe, Integrationstests über Abteilungs- und Systemgrenzen hinweg und Abnahmetests durch die Key-User mit echten Geschäftsvorfällen. Getestet wird gegen die eigenen Prozesse, nicht gegen die Funktionsliste des Systems.

Wer erst am Go-live merkt, dass die Rechnung bei Teillieferung falsch rechnet, testet ab diesem Tag im Echtbetrieb, auf Kosten der eigenen Kunden.

Die Testarten und was sie leisten.

Funktionstest

Prüft einzelne Abläufe: Auftrag anlegen, Lieferschein drucken, Gutschrift buchen. Findet Konfigurationsfehler früh, sagt aber noch nichts über das Zusammenspiel.

Integrationstest

Prüft ganze Ketten über Abteilungen und Schnittstellen: vom Shop-Auftrag bis zur Buchung in der Finanzbuchhaltung. Hier zeigen sich die teuren Fehler.

Migrationstest

Prüft die übernommenen Daten: Stimmen Bestände, offene Posten, Preise und Konditionen nach dem Probelauf? Ohne diesen Test startet niemand seriös.

Berechtigungstest

Prüft, wer was sehen und ändern darf. Zu weite Rechte fallen sonst erst auf, wenn jemand versehentlich Preise ändert oder Löhne einsehen kann.

Belastungstest

Prüft das Verhalten unter realer Last: Monatsabschluss, Inventur, Aktionstage im Shop. Ein System, das nur im Leerlauf schnell ist, hilft wenig.

Abnahmetest

Die Key-User spielen die freigegebenen Testfälle durch und erklären das System für startklar oder eben nicht. Diese Abnahme gehört formal protokolliert.

Wie ein Anbieter testet, erkennen Sie schon in seinem Angebot.

Fragen Sie im Auswahlprozess nach Testkonzept, Testumgebung und Verantwortlichkeiten. Wenn Sie Ihr Projekt über unsere Plattform ausschreiben, vergleichen Sie diese Antworten schwarz auf weiß, kostenlos und ohne Verpflichtung.

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Testfälle aus echten Prozessen.

Gute Testfälle stammen nicht aus dem Handbuch, sondern aus dem Alltag Ihrer Fachbereiche. Diese Regeln haben sich bewährt.

  1. 1Jeder Key-User schreibt die zehn häufigsten und die fünf schwierigsten Vorgänge seines Bereichs als Testfälle auf.
  2. 2Sonderfälle gehören dazu: Teillieferung, Retoure, Storno, Preisänderung im laufenden Auftrag, Kunde mit Sperrvermerk.
  3. 3Getestet wird mit kopierten Echtdaten oder realistischen Beispieldaten, nie nur mit dem Demodatensatz des Anbieters.
  4. 4Jeder Testfall hat ein erwartetes Ergebnis: Was muss am Ende im Beleg, im Lager und in der Buchhaltung stehen?
  5. 5Ergebnisse werden schriftlich festgehalten: bestanden, Fehler, Nacharbeit. Mündliche Testrunden verlaufen im Sand.
  6. 6Nach jeder Fehlerbehebung wird der Fall komplett neu getestet, nicht nur die korrigierte Stelle.

Fehler-Triage in drei Klassen.

Nicht jeder Fund verschiebt den Go-live. Entscheidend ist eine ehrliche Einordnung, auf die sich beide Seiten vorab geeinigt haben.

A

Blocker

Der Prozess funktioniert nicht oder Daten werden falsch: falsche Buchungen, falsche Bestände, Rechnung nicht erstellbar. Ohne Behebung kein Go-live.

B

Schwerer Mangel

Es gibt einen Umweg, aber er kostet spürbar Zeit oder erhöht das Fehlerrisiko. Behebung wird terminiert und vor dem Go-live schriftlich vereinbart.

C

Schönheitsfehler

Layout, Bezeichnungen, Komfort. Wird gesammelt und nach dem Start in Paketen abgearbeitet, sonst blockieren Kleinigkeiten den Zeitplan.

Wer im Test wofür verantwortlich ist.

Key-User

Schreiben die Testfälle ihres Bereichs, führen die Tests durch und geben die Abnahme. Dafür brauchen sie echte Freistellung, nicht Tests nach Feierabend.

Interne Projektleitung

Plant Testrunden, führt die Fehlerliste, moderiert die Triage und hält den Anbieter an Fristen. Sie entscheidet nicht fachlich, aber sie hält den Takt.

Anbieter

Stellt Testumgebung und Testdatenübernahme, behebt Fehler in vereinbarten Fristen und dokumentiert die Änderungen. Das gehört ins Pflichtenheft, nicht in den Goodwill.

Geschäftsführung

Entscheidet auf Basis der Triage über den Go-live-Termin. Ein Start mit offenen A-Fehlern ist keine Mutprobe, sondern ein vermeidbarer Schaden.

Häufige Fragen zur ERP-Testphase.

Wie lange dauert eine ERP-Testphase?

Erfahrungsgemäß vier bis zwölf Wochen mit mehreren Testrunden, abhängig von Modulumfang und Schnittstellen. Wichtiger als die Kalenderzeit ist, dass zwischen den Runden genug Zeit für Fehlerbehebung und Nachtest bleibt.

Wie viel Zeit müssen Key-User einplanen?

In den Testwochen sind erfahrungsgemäß ein bis zwei Tage pro Woche realistisch, in der Abnahmephase auch mehr. Diese Zeit muss im Tagesgeschäft ersetzt werden, sonst wird abends und oberflächlich getestet.

Reicht es, wenn der Anbieter testet?

Nein. Der Anbieter testet, ob das System tut, was er konfiguriert hat. Ob es das tut, was Ihr Geschäft braucht, können nur Ihre Key-User beurteilen, denn nur sie kennen die Sonderfälle des Alltags.

Was gehört in eine gute Testumgebung?

Ein eigener Systemstand mit übernommenen Echtdaten oder realistischen Beispieldaten, angebundenen Test-Schnittstellen und denselben Berechtigungen wie im späteren Betrieb. Tests im Demodatensatz des Anbieters sagen wenig über Ihren Alltag aus.

Wann sollte der Go-live trotz Fehlern stattfinden?

Wenn keine A-Fehler offen sind und für B-Fehler verbindliche Termine mit Umgehungslösungen vereinbart wurden. Ein Start ohne jeden offenen Punkt ist in der Praxis selten, ein Start mit offenen Blockern ist fahrlässig.

Wie stelle ich sicher, dass der Anbieter Tests ernst nimmt?

Indem Testkonzept, Testumgebung und Fehlerfristen schon im Angebot stehen und später im Pflichtenheft. Wer sein Projekt kostenlos über unsere Plattform ausschreibt, kann diese Punkte von Anfang an abfragen und die Antworten der Anbieter direkt vergleichen.

Stand: August 2026. Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Getestet wird vor dem Start, nicht am Kunden.

Fragen Sie Testkonzept und Verantwortlichkeiten schon in der Ausschreibung ab: kostenlos, mit vergleichbaren Antworten statt Versprechen im Vertriebstermin.